Konzern    Übersicht    Drucken    Schriftgröße
Suche

Sie sind hier  Leistungsangebote  Therapeutisches Leistungsspektrum  Verhaltenstherapie

Verhaltenstherapie

Der Begriff Verhaltenstherapie wurde von Hans-Jürgen Eysenck eingeführt und bezeichnet die Gesamtheit aller therapeutischer Verfahren, die auf eine Veränderung des gegenwärtigen Verhaltens abzielen. Die verhaltenstherapeutischen Verfahren gehen unter anderem auf die Konzepte der klassischen Konditionierung des russischen Physiologen Iwan P. Pawlow, die Reflexologie des russischen Psychiaters Wladimir Bechterew, das Gesetz des Effektes des amerikanischen Lerntheoretkigers Edward L. Thorndike und den Behaviorismus des amerikanischen Psychologen John B. Watson zurück.

Das wesentliche gemeinsame Moment der verschiedenen verhaltenstherapeutischen Ansätze ist ein lerntheoretisches Verständnis für die Genese und Therapie von psychischen Störungen die weitgehend in Begriffen beobachtbaren Verhaltens gefaßt werden. Im Gegensatz zur Psychoanalyse wird die Aufdeckung von unbewußten seelischen Konflikten eindeutig nicht zum Ziel erklärt.


In der Verhaltenstherapie werden störende Verhaltensmuster und Symptome konkret angegangen, indem der Patient sie erkennen lernt und mit Unterstützung des Therapeuten bewußt versucht, neue Verhaltensweisen anzunehmen, die die Krankheit positiv beeinflussen.

Zu Beginn einer Therapie wird abgeklärt, welche Ereignisse, Lebensbedingungen und persönliche Eigenschaften die jeweiligen Symptome mitbedingt haben. Die Befragung des Patienten nach seinen Vorstellungen über die Entstehung und das Fortbestehen seines Problems sowie nach seinen Bewältigungsstrategien ist hierbei von Bedeutung. Gemeinsam mit dem Patienten wird festgelegt, welche spezifischen Verhaltensweisen einer Veränderung bedürfen und wie diese über geeignete Vorgehensweisen herbeigeführt werden kann.

Im folgenden werden einige verhaltenstherapeutische Behandlungsmethoden beschrieben. In der Regel werden bei einem Patienten mehrere dieser Therapiemethoden kombiniert.

Desensibilisierung/Reizkonfrontation
Diese Ansätze haben sich aus unter lerntheoretischen Gesichtspunkten letztlich aus den Konzepten der klassischen Konditionierung entwickelt und eignen sich vorwiegend für eine Verhaltenstherapie von emotionellen Problemen, insbesondere von Angst

Gegenkonditionierung
Die Gegenkonditionierung ist das Grundprinzip der Desensibilisierung: Die Verbindung zwischen Angst und dem auslösenden Reiz (z.B.: Pelztier) wird als konditioniert aufgefaßt.
Man versucht nun in einer „Gegenkonditionierung“ den auslösenden Reiz (Pelztier) mit einem positiven Gefühl (Essen von Süssigkeiten) zu verbinden, die die alte Konditionierung hemmen und verdrängen soll. Die Gegenkonditionierung besteht in einer Schrittweise Annäherung an das gefürchtete Objekt oder die gefürchtete Situation bei gleichzeitiger Ausführung angsthemmender Tätigkeiten wie zum Beispiel Durchführung eines Entspannungsverfahrens.

Angstbewältigungstraining
Beim Angstbewältigungstraining soll der Patient lernen, die aufkommende Angst deutlich und frühzeitig wahrzunehmen und durch den aktiven Einsatz von Entspannung zu bewältigen. Als Entspannungstechniken kommen dabei Jacobsons progressive Relaxation, Atemkontrolle oder an durch ein verbales Signal (wie: „ruhig bleiben“) konditionierte Entspannung in Frage.

Selbstbehauptungstraining
Das Selbstbehauptungstraining geht davon aus, daß selbstunsichere Personen meist prinzipiell genau wissen, wie sie sich in sozialen Situationen verhalten müßten oder möchten und was sie sagen sollten oder könnten. Daß die Patienten nicht ausdrücken, was sie gerne ausdrücken würden wird als zurückgehaltene Reaktion von Ärger interpretiert. Die Patienten werden daher ermuntert, ihre negativen Gefühle, vor allem Ärger mehr und mehr zum Ausdruck zu bringen. Der Übergang zum Training sozialer Kompetenzen im Zusammenhang mit Modellernen ist allerdings fließend.

 


Operante Ansätze

Operante Ansätze der Verhaltenstherapie werden vor allem zur Änderung von Verhaltensweisen eingesetzt und gehen von dem Grundsatz aus, daß bei Belohnung (positive Verstärkung) die Wahrscheinlichkeit eines bestimmten Verhaltens erhöht und bei Bestrafung (negative Verstärkung) wird. Bleibt die gewohnte positive Verstärkung aus, so wirkt das wie eine negative Verstärkung. Bleibt die gewohnte neagtive Verstärkung aus, so wirkt das wie eine positive Verstärkung.

Münzverstärkung

Bei dieser Art der Verhaltenstherapie erfolgt die Verstärkung mittels „Münzen“. Fast alle Angehörigen chronisch schizophrener Patienten klagen über deren mangelnde Selbstfürsorge und Hygiene. Im Sinne von Abulie und Apathie können diese Symptome als Teil des Negativsyndroms verstanden werden. Mit Hilfe der Münsverstärkungstherapie können die Patienten wieder lernen, rechtzeitig aufzustehen, sich zu waschen, rasieren, zu kämmen und eine saubere und angemessene Kleidung anzuziehen. Zum Beispiel kann für das Aufräumen eines Zimmers, für 15 Minuten Kleiderpflege oder Zähneputzen eine bestimmte Menge von Münzen ausgesetzt werden, die dann für den Besuch eines Kinos, den Kauf von Zigaretten oder andere Vergünstigungen verwendet werden können.

Biofeedback

Die Biofeedbackmethode kam in den Jahren um 1970 groß in Mode, nachdem bekannt wurde, daß indische Yogis in der Lage waren, z.B. den Puls um 30 Schläge/minute zu beschleunigen. Besonders wirksam war dabei die akustische oder optische Rückmeldung dieser Veränderungen. Hinsichtlich der Effektivität der Biofeedbackmethode herrscht derzeit Unklarheit

Selbstkontrolle

Während die Münzmethoden, das Biofeedback und verwandte Methoden davon ausgehen, daß der Mensch ein passiver Organismus ist, der „dressiert“ wird, geht die Selbstkontrolle davon aus, daß der Patient sich selbst „belohnen“ und „bestrafen“ kann. Der Therapeut spielt dabei lediglich die Rolle des erfahrenen Ratgebers.

Selbstverstärkung

Bei der Selbstverstärkung wird die Wahrscheinlichkeit erwünschten Verhaltens durch positive Verstärkung erhöht: Indem man sich für das erwünschte Verhalten eintweder etwas nicht alltägliches gönnt oder sich die vielen alltäglichen erfreulichen Dinge nur dann zugesteht wenn das erwünschte Verhalten aufgetreten ist.
Man kann sich auch durch Entzug von angenehmen Dingen negativ verstärken, wenn eine unerwünschte Verhaltensweise auftritt.

Stimuluskontrolle: Selbstbeobachtung

Bei der Selbstbeobachtung geht es um die genaue Erfassung und Analyse der Bedingungen, die zu einem bestimmten Verhalten führen. Das Verhalten muß dazu genau definiert werden, Häufigkeiten, Intensitäten und Zeitspannen werden protokolliert. Dabei soll die Protokollierung eines unerwünschten Verhaltens wirkt im Sinne des operanden Lernens als Bestrafung oder negative Verstärkung, die Protokollierung eines erwünschten Verhaltens als Belohnung oder positive Verstärkung.
Der Patient bekommt durch die Selbstbeobachtung eine Rückmeldung über sein Verhalten, das sonst „automatisch“ ablaufen würde.

Therapieverträge, Therapiewetten, Hausaufgaben

Schriftlich fixierte Therapieverträge können die therapeutische Arbeit unterstützen, da sie klare Verhältnisse schaffen. Man kann einen „Grund-Vertrag“ abschließen, der die gesamte Therapie betrifft. In der Regel jedoch werden kurzfristige, oft von Sitzung zu Sitzung vereinbarte Kontrakte über auszuführende „Hausaufgaben“ abgeschlossen. Der Therapeut kann mit dem Patienten auch eine Wette darüber abschließen, daß ein bestimmtes Ereignis - Verhalten oder psychischer Zustand - nicht oder schon eintritt. Bei bestimmten Patienten ist Wetten stärker emotional besetzt als andere Verfahren der Selbstkontrolle und kann deshalb wirksamer sein. Wetten können durch ihre Expliztierung Prozesse der Selbstbeobachtung in gang setzen und intensivieren und durch ihre Verbindlichkeit positive (Wette gewonnen) bzw. negative Verstärkung (Wette verloren) unterstützen.

Aufbau positiver Aktivitäten

Bei sozial stark zurückgezogenen und antriebsverminderten Patienten kann der Aufbau positiver Aktivitäten hilfreich sein. Der Patient wird angeleitet, als angenehm erlebte aktive Tätigkeiten in seinen Tagesablauf einzuplanen (z.B. Stadtbummel statt im Bett zu liegen und zu grübeln). Der Ausgleich zwischen eher fordernden und eher angenehmen Tätigkeiten ist im weiteren Verlauf wesentlich. Damit wird gelernt, die Antriebsschwäche zu überwinden, Schritt für Schritt angenehme Tätigkeiten aufzunehmen, und damit wieder mehr Erfolgserlebnisse und schließlich eine Verbesserung der Stimmung zu erreichen.

 


Kognitive Ansätze der Verhaltenstherapie

Modellernen


Beim Modellernen wird durch die Beobachtung bestimmter Reaktionen von Modellpersonen gelernt, ohne daß der Patient diese Reaktionen selbst ausführen muß. Offensichtlich können alle möglichen Verhaltensweisen allein über die Beobachtung desselben Verhaltens gelernt werden. Wenn z.B. Kinder mit Angst vor einem bestimmten Objekt (z.B.: Hunde) beobachten können, wie andere Kinder furchtlos mit diesem Objekt umgehen, so kann sich diese Verhalten übertragen. Es gelten offensichtlich folgende Regeln:

  • Eine Beobachtung in Vivo ist einer Beobachtung im Film überlegen
  • Eine fortschreitender Lernprozess des Modells ist positiv (wenn also beim Modell nicht gleich die volle Kompetenz vorhanden ist)
  • Ein positiver Kontext (z.B.: Beobachtung im Rahmen einer Party) ist förderlich.
  • Modellernen mit anleitender Teilnahme (das vom Modell vorgeführte Verhalten wird gleich danach selbst erprobt) ist am effektivsten.



Training sozialer Fertigkeiten, Realitätsorientierungstraining

Wenn sich jemand in sozialen Situationen unangemessen verhält kann das aus Sicht der Verhaltenstherapie zwei Ursachen haben:

  • Er kann Angst haben, bestimmte Verhaltensweisen zu zeigen
  • Es besteht eine Verhaltenslücke: Die Verhaltensweise wurde gar nicht erworben.

    Im ersten Fall ist ein Selbstbehauptungstraining induziert und im zweiten Fall ein Training sozialer Fertigkeiten, das heißt es müssen soziale Fertigkeiten neu aufgebaut werden. Neben der Einübung konkreter Verhaltensweisen in vivo (z.B. in Therapie-Gruppen) oder im Rollenspiel mit dem Therapeuten ist auch Modellernen ein praktikables Vorgehen.
    Bei Problemen in diesen Bereichen kann das bewährte Trainingsprogramm nach Pfingsten und Hinsch (1991) Abhilfe schaffen. Dieses Trainingsprogramm zeichnet sich durch seine klare Strukturierung und die damit verbundene gute Erlernbarkeit und einfache Umsetzung aus.

    Schwierigkeiten im Bereich der Selbstsicherheit können bei verschiedenen Störungen bestehen. Daher wird das Programm in der Klinik für Patienten mit unterschiedlichen Diagnosen stationsübergreifend angeboten.

    Ein wichtiges Ziel des Trainings ist es, das Durchsetzen von berechtigten Forderungen und Interessen zu erlernen. Darüber hinaus wird geübt, Wünsche und Bedürfnisse beispielsweise in der Partnerschaft oder im Freundeskreis angemessen zu vertreten. Ein weiterer Aspekt ist das Trainieren der Fähigkeit, Sympathien zu gewinnen, den Kontakt zu anderen Menschen herzustellen und aufrecht zu erhalten.

    Inhaltlich sieht das Programm zunächst eine Einführung und Vermittlung des Erklärungsmodells für sozial kompetentes Verhalten vor. Weiterhin wird ein Diskriminationstraining zwischen selbstsicherem, unsicherem und aggressivem Verhalten durchgeführt: hier lernen die Patienten, die oben genannten Verhaltensweisen zu unterscheiden sowie die dadurch beim Gegenüber ausgelösten Reaktionen einzuschätzen. Die in der Gruppe erarbeiteten günstigen Verhaltensweisen werden in diversen Rollenspielen überprüft bzw. gefestigt. Um die Übertragung des Gelernten in den Alltag zu gewährleisten, werden Übungen zwischen den Sitzungen

 

Startseite